Dieser Artikel ist älter als ein Jahr und könnte daher Informationen enthalten, die nicht mehr auf einem aktuellen Stand sind.

Seit der Auflistung von 30 freien Shopsystemen hat sich im Bereich der Open Source Shops einiges getan. Die Entwicklung mancher Shopsysteme wurde eingestellt (z.B. phpShop) und neue sind hinzugekommen. Nachfolgend eine Kurzvorstellung von fünf relativ neuen Shopsystemen, die seitdem veröffentlicht wurden.

TomatoCart

TomatoCart Frontend
TomatoCart Frontend
TomatoCart Backend
TomatoCart Backend

TomatoCart ist vermutlich der erste Shop, der auf der seit einigen Jahren in Entwicklung befindlichen osCommerce-Version 3.0 basiert. Das Shopsystem wurde von dem chinesischen Unternehmen Wuxi Elootec Technology Co., Ltd entwickelt.

Der im Vergleich zu osCommerce erweitere Einrichtungsvorgang, bei dem die wichtigsten Daten nach der Installation abgefragt werden, ist sehr gut gelöst. Bei TomatoCart ist insbesondere der Backend-Bereich sehenswert, da sich dieser von den mir bekannten Shopsystemen deutlich unterscheidet. Das Backend wurde bei TomatoCart per Rich Internet Application programmiert, so dass der Shopbetreiber bei der Verwaltung das Gefühl bekommt, ein Desktop-Programm zu bedienen. Ob dieser schön anzusehende Backendbereich jedoch die Produktivität des Shopbetreibers erhöht, bezweifel ich etwas.

Auch die Funktionalität des Frontend wurde umfassend erweitert. Gutscheine sind möglich, ein FAQ-System ist vorhanden, Kunden und Bestellungen lassen sich im Backend anlegen (!) und einiges mehr. Der One-Page Checkout, also die Durchführung des Registrierungs- und Bestellvorgangs auf einer Seite ist vermutlich vom Shopsystem Magento inspiriert. Da gibt es sicherlich einiges, was man sich als osCommerce-Shopbetreiber schon mal gewünscht hat.

Fazit: Ob osCommerce MS 3.0 Alpha 4 tatsächlich eine gute Basis für einen Fork ist, sei mal dahingestellt. Eine bessere Grundlage als die noch häufig eingesetzte aber veraltete Version 2.2 ist es sicherlich. TomatoCart sollte man schon wegen dem Backend auf jeden Fall mal ausprobieren. Weniger sinnvoller finde ich es, Anwendungen wie Piwik fest zu integrieren.

asaancart

asaancart Frontend
asaancart Frontend
asaancart Backend
asaancart Backend

asaancart ist ein schlankes auf PHP/MySQL basierendes Shopsystem, das von Nasir Ahmad Khan progammiert wurde. Es ist sicherlich eines der schnellsten Open Source Shopsysteme.

Das Backend ist sehr übersichtlich und bietet neben der zu erwartenden Grundfunktionalitäten eines Onlineshops, CMS-Funktionen und einen Bereich für installierbare Erweiterungen. Einen neuen Kunden direkt im Backend anlegen zu können, bietet auch nicht jedes Shopsystem.

Das Standardlayout des Frontend ist sicherlich weniger schön anzuschauen. Aber aufgrund der Nutzung der Smarty-Template Engine sind Layoutänderungen schnell erledigt. Der Registrierungs- und Bestellprozess lässt sich nicht kürzer verwirklichen. Für den rechtlich einwandfreien Einsatz im deutschsprachigen Raum sind, wie bei den meisten Shopsystemen, Anpassungsarbeiten notwendig.

Fazit: Der erste Eindruck ist gut. asaancart ist sehr schnell und lässt sich gut anpassen. Es gibt jedoch offenbar keine lebendige Community, was bei Open Source Software problematisch sein kann.

Lightning Fast Shop (LFS)

LFS Frontend
LFS Frontend
LFS Backend
LFS Backend

LFS basiert auf dem Python-Framework Django, kann mit verschiedenen Datenbanken (PostgreSQL, MySQL, SQLite, Oracle) genutzt werden und befindet sich noch im Beta-Status.

Das Backend ist sehr einfach gehalten und bietet neben den zu erwartenden Funktionen die Möglichkeit, Gutscheine und Rabatte anzulegen sowie Inhaltsseiten zu verwalten. Gut gelungen finde ich die Konfiguration von Zahlungs- und Versandmethoden auf Basis von festlegbaren Kritierien. Da keine Lieferscheine und Rechnungen vorgesehen sind, macht der Einsatz von LFS vermutlich nur in Verbindung mit externen Anwendungen Sinn. Der auf eine Seite begrenzte Bestellvorgang, wie auch das gesamte Frontend-Layout ist sehr rudimentär vorhanden und soll vermutlich als Basis für die eigene Gestaltung dienen.

Fazit: LFS ist sicherlich keine Out-Of-The-Box Lösung, sondern bedarf einiges an Anpassungsarbeit. Aber dass sich LFS als Basis für professionelle Onlineshops eignet, wird bei Ansicht der Live-Shops deutlich. Positiv ist weiterhin die vorhandene Dokumentation.

eCart

eCart Frontend
eCart Frontend
eCart Backend
eCart Backend

eCart wurde auf Basis des PHP-Frameworks Zend entwickelt. Die eCart-Präsentation sowie das Shopsystem selbst machen einen professionellen Eindruck. eCart ist im Vergleich zum Shopsystem Magento, dass auch das Zend-Framework nutzt, deutlich schneller.

Der Funktionsumfang kann sich sehen lassen. Gutscheine, Google-Shopping, Import/Export plus osCommerce-Schnittstelle, CMS, Kundengruppen um einige der Features zu nennen.

Leider stockt offenbar die weitere Entwicklung. Die letzte Version ist vom Januar 2010 und auch das Blog und Forum sind nicht sonderlich aktiv. Das Shopsystem wurde vor kurzem auch auf t3n.de vorgestellt.

famr pro

famr pro Frontend
famr pro Frontend
famr pro Backend
famr pro Backend

famr pro ist ein übersichtliches Shopsystem aus deutschen Landen. Neben den üblichen Shopfunktionen gibt es unter anderem eine Gutscheinfunktion, den Versand von Newslettern, eine Templatefunktion und eine einfache CMS-Funktionalität für die Inhaltsseiten. Es lassen sich auch manuelle Verkäufe aus dem Backend durchführen.

Dass die rechtlichen Anforderungen deutscher Onlineshops berücksichtigt wurden, ist ein weiterer Pluspunkt. Ob Widerrufsbelehrung, AGB-Bestätigung, Datenschutzerklärung oder Grundpreisangabe. So einiges was man in anderen Shopsystem erst hinzufügen muss, ist dort bereits vorhanden. Das Backend gewinnt zwar keinen Schönheitspreis, aber lässt sich gut bedienen. Mit dieser einfachen Übersichtlichkeit werden auch Shopeinsteiger klar kommen. Eine Benutzerverwaltung für das Backend existiert nicht. Auch auf eine Kundenverwaltung muss man verzichten. Es scheint noch den einen oder anderen Bug zu geben, was bei der kurzen Entwicklungszeit wohl eher zu erwarten ist.

Das Shopsystem famr pro stammt unter anderem von Sebastian Schwaner. Die Informationspolitik von famr pro ist recht gut. Man wird auf der Website und per Social Media gut informiert. Eine Dokumentation ist teilweise schon vorhanden.

Fazit: Ob famr pro tatsächlich schon produktiv einsetzbar ist, lässt sich nach einem kurzen Test nicht sagen. Für kleinere Shops könnte es eine brauchbare Alternative werden.

Soweit die Kurzvorstellung dieser fünf Shopsysteme. Bei weniger bekannten Shopsystemen sollte man die Software vor dem Einsatz besser noch auf Sicherheitslücken prüfen. Dies macht die Vorstellung von Zeuscart auf T3N und die anschließende Diskussion deutlich. Wer weitere Neuerscheinungen im Bereich Open Source Software kennt, möge dies in den Kommentaren mitteilen.

Kommentare
  1. Neu nicht aber Opensource und so wie ich lesen konnte, sind die hervorgehobenen Features wie Kunden im Admin anlegen, Beachtung des deutschen Rechts und einiges mehr auch vorhanden. Der Adminbereich ist designtechnisch nicht auf den neusten Stand, was sich noch ändern wird aber das Frontend muss denke ich sich nicht verstecken. Zu finden und zum runter laden unter www.randshop.com.
  2. Danke für den Hinweis. Bzgl Randshop hatte ich vor ca 2 Jahren vermerkt, dass es kein Open Source ist. Habe ich mich getäuscht oder hat sich das geändert? Der Relaunch ist gelungen :)
  3. Open Source schon immer, nur unter einer eigenen Lizenz. Wird sich aber auch noch ändern und wahrscheinlich unter einer allgemeinen Lizenz in Zukunft stehen. Wir suchen nur noch nach der passenden. Runter laden konnte man es schon immer, es gab nur eine Limitierung für den Vertrieb der Software selbst. Also als Agentur oder Wiederverkäufer der Software.
    2 Jahre, da hat sich schon einiges wieder verbessert. :)
    Danke fürs Lob der Seite.
  4. Auch nicht neu, aber jetzt zusätzlich als Open Source geplant
    http://www.shopware.de/shopware-community-edition/
  5. TomatoCart verfügt über eine gelungene Integration von Twitter Bootstrap, was mir die designtechnische Anpassung an CI und Website Design für andere Teilprojekte extrem vereinfacht, sofern diese auch auf Bootstrap basieren.

    Ich habe TomatoCart installiert und konnte im Prinzip sofort loslegen:
    * Die Programmstruktur ist super übersichtlich und das CSS direkt zu erreichen
    * Durch Bootstrapintegration responsives Design und einfacher Einbau in andere Projekte
    * Das Backend ist - fast - selbsterklärend und es gibt für jeden Schritt bei Freund Google ein HowTo - großteils projekteigene TomatoCart Dokumentation, aber auch hilfreiche externe HowTos und Videos.
    * Sprachunterstützung:
    Admin: Für den Einstig und die Dokumentation ist Kenntnis der Englischen Sprache von großem Vorteil ...
    Endanwender: ... jedoch ist die Software selbst weitestgehen auf Deutsch (und viele andere Sprachen) übersetzt und eine Einbindung zusätzlicher Sprachen ist sehr einfach.

    Fazit:

    Bereits nach wenigen Stunden Habe ich die Software erstmals installiert, designtechnisch weitgehend an eine andere vorhandene Website angepasst, in den wesentlichen Funktionen durchgetestet und ...
    ... bin begeistert!

    Wenn nun die auf deutsches Recht spezifischen Elemente bezüglich Steuer, Widerrufsbelehrung, etc. sich in der Praxis auch noch bewähren (muss noch einige Abläufe zu Ende testen), dann sehe ich einer aufregenden gemeinsamen Zeit mit TomatoCart entgegen und dann werde ich wohl einige Kunden mit diesem Werkzeug ausstatten.

    Ich glaube, ich habe gefunden wonach ich lange gesucht habe!

    T.