Dieser Artikel ist älter als ein Jahr und könnte daher Informationen enthalten, die nicht mehr auf einem aktuellen Stand sind.

In Kürze wird osCommerce 3.0 veröffentlicht und PrestaShop 1.4 steht seit einigen Tagen zur Verfügung. Bei beiden Open Source Shopsystemen gab es Änderungen an der Lizenzierung. In dem folgenden Beitrag wird versucht, die Folgen dieser Lizenzänderungen etwas zu beleuchten.

Es gibt zahlreiche Lizenzen für Open Source Software, was die Übersichtlichkeit sicherlich nicht gerade fördert. Nachfolgend einige grundsätzliche Freiheiten, die wesentlich für freie Software sind:

  • man darf die Software unbegrenzt und für jeden Zweck verwenden
  • man darf die Software untersuchen und sie den eigenen Bedürfnissen anpassen
  • man darf die Software kopieren und weiterverteilen
  • man darf die Software verbessern und diese Verbesserungen veröffentlichen

Darüberhinaus gibt es Bestimmungen, die von der jeweiligen Lizenz bzw von der Version einer bestimmten Open Source Lizenz individuell abhängig sind.

Lizenzierung bei osCommerce

osCommerce stand seit dem Beginn vor über 10 Jahren bis zur Version osCommerce 3.0 unter der GNU General Public License v2 (GPL). Die GPL ist sicherlich die bekannteste und eine der bei freier Software am häufigsten eingesetzten Lizenzen. Eine Besonderheit ist das Copyleft-Prinzip. Dadurch wird man verpflichtet, die freie Verfügbarkeit nicht einzuschränken. GPL-Code darf also nicht in einer Software genutzt werden, die unter einer proprietären bzw unfreien Lizenz steht.

Dies bedeutet konkret, dass für osCommerce programmierte Änderungen oder Erweiterungen wiederum unter der GPL lizenziert werden müssen, so dass bei einer Veröffentlichung einer osCommerce-Erweiterung der Programmcode frei verfügbar gemacht werden muss und die Nutzung nicht eingeschränkt werden darf.

Mit der Version 3.0 wechselt osCommerce zur BSD-Lizenz. Diese Lizenz verzichtet auf das Copyleft-Prinzip. Es scheint so zu sein, dass sich damit die Freiheit bei der Nutzung von osCommerce erhöht. Das Problem dabei ist allerdings, dass das fehlende Copyleft bei der BSD-Lizenz dazu genutzt werden kann, den Quellcode in unfreie Software zu übernehmen.

Lizenzierung bei PrestaShop

PrestaShop steht unter der Lizenz Open Software License 3.0 (OSL). Die OSL ist der GPL ähnlich und beinhaltet auch ein Copyleft. Es gibt Unterschiede zwischen GPL und OSL, wie beispielweise beim Umgang mit Patenten. Die OSL sollte meines Wissens eine rechtlich bessere Variante der GPL werden. Ob dies gelungen ist, kann ich nicht sagen.

Auch bei PrestaShop gab es in der Version 1.4 eine Lizenzänderung. Module (Funktionserweiterungen) und Templates (Layoutvorlagen) werden zukünftig unter der Lizenz AFL 3.0 veröffentlicht. Wie bei der osCommerce-Lizenzänderung hat es zur Folge, dass Entwickler von Modulen und Templates aufgrund der Lizenz nicht gezwungen sind, diese als freie Software veröffentlichen zu müssen.

Open Source versus Open Core

Open Source wurde in den letzten Jahren von vielen Software-Anbietern als Geschäftsmodell entdeckt. Dabei wurde häufig eine Open Core Strategie verfolgt. Bei Open Core steht die Kernsoftware als Open Source zur Verfügung. Diese Kernsoftware wird mit proprietärer Software ergänzt. Es ist dann vergleichbar mit dem Shareware-Vertrieb, bei dem die Basisfunktion einer Software kostenfrei ist, zusätzliche sinnvolle oder notwendige Funktionen jedoch nur gegen Bezahlung erhältlich sind.

Der Sinn dieser Strategie ist unter anderem, dass durch die proprietäre Software eine kommerzielle Bindung zu den Nutzern der Kernsoftware geschaffen wird. Es entstehen also Unfreiheiten, die sich vielleicht für manche Nutzer dieser proprietären Software rechnen, die aber sicherlich nicht im Einklang mit der oben beschriebenen Open Source Philosphie sind. Ob die Strategie Open Core auf Dauer bestehen bleibt, lässt sich derzeit nicht sagen. Zum Thema Open Core ist der Artikel Offener Kern, geschlossenes Herz? und der Kommentar Open Core ist vorbei sehr lesenswert.

Ausblick

Eine Bewegung hin zu Open Core ist bei osCommerce und PrestaShop meiner Einschätzung nach eher nicht zu erwarten. Vermutlich wird es weiterhin hauptsächlich freie Software für diese Shopsysteme geben. Die Lizenzänderungen werden allerdings sicherlich zu einer stärkeren Kommerzialisierung führen.

osCommerce plant einen Markplatz für kommerzielle Erweiterungen im Laufe des Jahres. Wie Harald Ponce de Leon (Entwickler osCommerce) in dieser Forendiskussion klarstellt, wird im künftigen osCommerce-Marktplatz stets der Quellcode verfügbar sein. Bei PrestaShop steht bereits ein Markplatz zur Verfügung. Dort sind 90% der Funktionserweiterungen und fast 100% der Templates kostenpflichtig.

Dass freie Software nicht unbedingt kostenfrei sein muss, wird sich ja sicherlich inzwischen herumgesprochen haben. Es gibt im Bereich der Open Source Software einen Trend zur Kommerzialisierung. Dies muss nicht unbedingt negativ sein, da zu erwarten ist, dass sich die Qualität der Erweiterungen erhöht, wenn diese kostenpflichtig sind bzw dort Geld zu verdienen ist. Aber wenn sich der Anteil von proprietärer Software rund um Open Source Projekte erhöht und somit die Freiheit der Nutzer eingeschränkt wird, wäre dies sicherlich keine gute Entwicklung.

Im Zusammenhang zum Thema Open Source und Lizenzen kann ich noch den Artikel Praxisprobleme der Open-Source-Lizenzierung empfehlen.

Korrekturen von Lizenz-Spezialisten (zu denen ich mich nicht zähle) sind ausdrücklich erwünscht. Sonstige Kommentare sind selbstverständlich auch möglich.

Kommentare
  1. Ich bin der Meinung, dass die Entwicklung hin zum Open Core daraus resultiert, dass OpenSource von den Nutzern falsch interpretiert wird, nämlich einfach nur als "kostenlos". Dementsprechend ist die Bereitschaft Geld auszugeben sehr gering und da aber die Entwickler von OpenSource nicht alle von Luft und Liebe leben, kommt automatisch eine andere Entwicklung.

    Wenn man sich anschaut, welche OpenSource Projekte wirklich sich selbst finanzieren, kann man diese an einer Hand abzählen, die meisten Systeme werden von Grossen Konzernen oder Venture Capitals finanziert und letzteres finde ich viel beängstigender, da es dabei nur um Marktanteil und Marktwert geht, nicht unmittelbar um die Qualität.