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Piwik ist eine kostenfreie Open Source Software zur Webanalyse. Im folgenden Artikel wird beschrieben, wie Betreiber von Onlineshops durch den Einsatz von Piwik Auswertungen durchführen können, die als Grundlage für Verbesserungen des Shopbetriebs genutzt werden können.

Ein großer Pluspunkt dieser Software ist, dass ein datenschutzkonformer Betrieb gewährleistet werden kann. Piwik hat deshalb eine Empfehlung von Datenschützern erhalten. Auch im Hinblick auf die Auswertungen von Umsätzen ist es für Shopbetreiber sicherlich ein Vorteil, wenn diese Daten nicht unnötigerweise an fremde Unternehmen übermittelt werden.

In der vor kurzem veröffentlichten Piwik-Version 1.5 wurden die Möglichkeiten für die Auswertung von Onlineshops erweitert. Nachfolgend wird das neue E-Commerce-Tracking erklärt, sowie die benutzerdefinierten Variablen, Kampagnen, Ziele/Goals und weitere Auswertungsmöglichkeiten erwähnt.

E-Commerce-Auswertungen

Die neuen E-Commerce-Auswertungen bieten dem Shopbetreiber die Möglichkeit, Statistikdaten über typische Vorgänge in einem Onlineshop zu ermitteln. Dazu gehören zum Beispiel Produktansichten, Warenkorbdaten und Bestellinformationen. Insbesondere durch die Verknüpfung mit Daten zur Herkunft der Besucher kann dem Shopbetreiber so deutlich werden, wo Optimierungsmöglichkeiten bestehen.

Als Beispiel für die E-Commerce-Auswertungen zwei Screenshots. Links sieht man die Situation, dass sich ein Besucher den Artikel “Matrox G400 32MB” in der Produktkategorie “Hardware” angeschaut hat. Rechts hat ein Kunde zwei Produkte in den Warenkorb gelegt und ein Produkt davon bestellt.

Auswertung 1
Auswertung 2

Um die neuen Auswertungen nutzen zu können, ist in den Einstellungen bei der entsprechenden Website die Währung anzugeben und die E-Commerce-Auswertungen zu aktivieren. Letzteres lässt sich in der neuen Piwik-Version auch schon während des Installationsprozess durchführen.

E-Commerce-Auswertungen

Nachfolgend einige Beispiele, wie der vorhandene Tracking-Code zu ergänzen ist. Die großgeschriebenen Angaben müssen durch die entsprechenden Werte (Produktname, Bestellsumme etc) dynamisch ersetzt werden, was je nach Shopsystem unterschiedlich abläuft.

Produktansicht aufzeichnen

Auf der Produktseite kann man dies hinzufügen, um die Produktansichten auszuwerten. Als Produktnummer wird zum Beispiel die EAN des Produkts genommen.

1 piwikTracker.setEcommerceView("PRODUKTNUMMER","PRODUKTNAME","PRODUKTKATEGORIE");

Ansicht einer Kategorie aufzeichnen

Um die Aufrufe der Kategorieseiten zu loggen, ist dies einzufügen.

1 piwikTracker.setEcommerceView(productSku = false,productName = false,category = "KATEGORIENAME");

Warenkorbaktivitäten aufzeichnen

Diese Aktion wird im Warenkorb oder beim Klick auf den Warenkorb-Button ausgelöst. Die Produktnummer ist ein Pflichtfeld. Die restlichen Angaben sind optional, wobei zumindest auch der Preis eingefügt werden sollte, der ohne Währung und mit Punkt angegeben werden muss. Außerdem ist zu beachten, dass eine Änderung der Produktanzahl im Warenkorb berücksichtigt wird.

1 piwikTracker.addEcommerceItem("PRODUKTNUMMER","PRODUKTNAME","PRODUKTKATEGORIE",PREIS,MENGE);
2 piwikTracker.trackEcommerceCartUpdate(WARENKORBSUMME);

Bestellung eines Produkts aufzeichnen

Die Speicherung erfolgt, nach dem der Kunde den Bestellprozess durchlaufen hat. Die Produktnummer ist ein Pflichtfeld. Die restlichen Angaben sind optional, wobei zumindest auch der Preis eingefügt werden sollte, der ohne Währung und mit Punkt angegeben werden muss.

1 piwikTracker.addEcommerceItem("PRODUKTNUMMER","PRODUKTNAME","PRODUKTKATEGORIE",PREIS,MENGE);

Bestellung aufzeichnen

Auch diese Aktion geschieht logischerweise erst nach der durchgeführten Bestellung. Die Bestellnummer und die Gesamtsumme ist ein Pflichtfeld. Die Gesammtsumme beinhaltet Versand und Steuern, die Zwischensumme enthält kein Versand und bei Rabatt ist ein false einzufügen, sofern kein Rabatt gewährt wurde. Auch hier sind alle Beträge ohne Währung und mit Punkt anzuzugeben, also z.B. 99.99

1 piwikTracker.trackEcommerceOrder("BESTELLNUMMER",GESAMTSUMME,ZWISCHENSUMME,STEUERN,VERSAND,RABATT);

Alle aufgelisteten Code-Ergänzungen sind im Tracking-Code einzufügen und zwar oberhalb folgender Zeilen.

1 piwikTracker.trackPageView(); piwikTracker.enableLinkTracking();

Die Auswertungen sind dann im Menüpunkt “Ecommerce & Goals” einzusehen.

Benutzerdefinierte Variablen

Die benutzerdefinierten Variablen dienen dazu, eigene Unterscheidungsmerkmale zu definieren. Dazu kann zum Beispiel die vom Besucher gewählte Sprache gehören oder die Unterscheidung zwischen eingeloggten und nicht eingeloggten Besuchern.

Es wird in Piwik unterschieden, zwischen Variablen die pro Seitenaufruf und Variablen die pro Besuch festgelegt werden, wovon jeweils bis zu 5 Variablen möglich sind. Wenn also ein Kategoriename aufgezeichnet werden soll, erfolgt dies pro Seitenaufruf. Eine Unterscheidung zwischen Mann/Frau hingegen pro Besuch. Der Code dafür könnte so aussehen.

1 piwikTracker.setCustomVariable(1,"Geschlecht","Männlich","visit");

Die frei wählbare Zahl (1-5) steht für die Nummer der Variable und darf dann nicht mehr verändert werden bzw darf es keine zweite visit-Variable mit 1 geben. Das “visit” bedeutet, dass diese Variable pro Besuch gilt. Eine Geschlechtsumwandlung während einer Browsersitzung ist ja eher unwahrscheinlich. Sollte der Seitenaufruf entscheidend sein, ist dort “page” einzugeben.

Die Auswertungen können dann unter “Besucher > Benutzerdefinierte Variablen” eingesehen werden.

Benutzerdefinierte Variablen 1

Auch dort kann die umfassendere Tabelle angezeigt werden, so dass unter anderem die Absprung- und Konversationsrate angezeigt wird.

Benutzerdefinierte Variablen 2

Kampagnen

Mit der Kampagnen-Auswertung kann man messen, von wo und in welchem Umfang die Besucher auf die Website kommen. Es lässt sich damit unter anderem der Erfolg von Newsletter, Werbebanner, Twitterlinks oder Suchmaschinen-Werbung (z.B. Google Adwords) messen.

Maßgeblich für die Messung sind URL-Parameter. Bis vor kurzem waren dies piwik_campaign und piwik_kwd. Vor kurzem wurde dies aber geändert in pk_campaign und pk_kwd. Diese Bezeichnungen lassen sich aber sowohl zur Laufzeit im Tracking-Code

1 piwikTracker.setCampaignNameKey('campaign');
2 piwikTracker.setCampaignKeywordKey('keyword');

als auch dauerhaft in der Datei config/config.ini.php anpassen

1 [Tracker]
2 campaign_var_name="campaign"
3 campaign_keyword_var_name="keyword"

Um also beispielsweise die Klicks auf die Website zu messen, die von einem versandten Newsletter erfolgten, kann man allen Links des Newsletters diesen Parameter hinzufügen:

1 pk_campaign=Newsletter-11

Und um den Erfolg von Google Shopping auszuwerten, kann man den URLs diese Parameter hinzufügen:

1 pk_campaign=Google-Shopping&pk_kwd=PRODUKTNAME

Auf piwik.org findet sich ein URL-Builder für die Genierung von URLs.

Ziele/Goals

Ziele/Goals dienen dazu, bestimmte Aktionen der Besucher zu messen. Zu diesen Aktionen können Downloads, Kundenregistrierungen, Bestellabschlüsse oder die Absendung von Kontaktformularen gehören. Wobei man für die Ermittlung von Bestellabschlüssen jetzt besser das neue E-Commerce-Tracking nutzen sollte.

Mit der Definierung von Zielen ist es möglich, Konversionsraten zu ermitteln. Also wieviel Prozent der Besucher führen bestimmte Aktionen durch. Unter dem Menüpunkt “Goals” hat man die Möglichkeit, ein neues Ziel zu definieren. Seit Piwik 1.3 kann man es so einstellen, dass Ziele mehrfach pro Besuch gezählt werden. Dies ist zum Beispiel dann sinnvoll, wenn ein Ziel “Download” angelegt wurde und man mehrere Downloads während eines Kundenbesuchs auswerten möchte. Ein Ziel “Kontakt” könnte beispielsweise so ausschauen.

Ziele/Goals 1

Als Zielseite wurde in diesem Fall die Seite gewählt, die ein Nutzer eines osCommerce-Shops nach der Absendung des Kontaktformular sieht.

http://www.domain.de/shop/contact_us.php?action=success

Piwik bietet dann umfassende Daten zu diesem angelegten Ziel. Man kann sich die Daten nach Verweisen (z.B. mit welchem Suchbegriff kam der Besucher), nach Besuchen (z.B. aus welchem Land kommt der Besucher) oder auch nach der Serverzeit anzeigen lassen.

Ziele/Goals 2

Suchanfragen aufzeichnen

Piwik bietet die Möglichkeit, den Funktionsumfang durch Plugins zu erweitern. SiteSearch ist ein Plugin, dass eine Aufzeichnung der im Shopsystem eingegebenen Suchanfragen ermöglicht.

Zur Installation muss man die Plugin-Dateien in das Verzeichnis plugins/SiteSearch/ kopieren und unter “Einstellungen > Plugins” aktivieren.

SiteSearch

Danach ist noch die Suchfunktion unter “Einstellungen > Interne Suche” zu konfigurieren. Bei einem osCommerce-Shop sähe die Konfiguration so aus

  • Such-URL: http://www.domain.de/advanced_search_result.php
  • Suchparameter: keywords

Danach findet man die im Shop durchgeführten Suchanfragen in Piwik unter “Aktionen > Internet Suche”.

Geotargeting

Beim Geotargeting geht es darum, dass IP-Adressen ihrer geographischen Herkunft zugeordnet werden. Piwik bietet bereits standardmäßig Auswertungen, die Rückschlüsse auf das Land des Besuchers erlauben. Dies lässt sich durch die Nutzung des Piwik-Plugin GeoIP erweitern, so dass man eine genauere Herkunft der Shopbesucher ermitteln kann.

Nach dem Kopieren der Plugindateien in plugs/GeoIP/ benötigt man noch die kostenfreie IP-Datenbank GeoLiteCity (18 MB) von MaxMind, die in das Verzeichnis plugins/GeoIP/libs/ zu kopieren ist. Dann lässt sich unter “Einstellungen > Plugins” die Erweiterung aktivieren.

GeoIP 1

Danach erhält man unter “Besucher > Standorte und Provider” detaillierte Angaben zu den Herkünften der Besucher.

GeoIP 2

Wenn man Geotargeting nutzt, sind allerdings die Einstellungen zur Kürzung der IP-Adressen zu berücksichtigen, die man im Bereich Datenschutzeinstellungen vornehmen kann. Dies betrifft dann das Thema Datenschutzkonformität.

Für weiterführende Information lohnt sich der Blick in die Piwik-Dokumentation. Dort finden sich Erläuterungen zu den E-Commerce-Auswertungen, Kampagnen, Goals und den benutzerdefinierten Variablen. Eine Anleitung, um Piwik datenschutzkonform zu betreiben, findet sich auf der Website des Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein, dass dort als PDF-Datei heruntergeladen werden kann.

Kommentare
  1. Hallo,

    vielen Dank für die tolle Übersicht. Ich arbeite mit einem PlentyMarkets System und bin aktuell auf der Suche, warum das Tracking im Checkout nicht funktioniert. Anyway - ich bin euch dankbar für die detailierte Übersicht und die gut erklärten Codebeispiele.
    Favorit gesetzt :)
    Gruß, Jürgen
  2. Danke für die schöne Darstellung. Auf der Suche nach einer unabhängigen Überwachungssoftware für unseren neuen Shop bin ich hier gelandet. Ist auf jeden Fall eine Option zu Tante G
    Gruß Josef
  3. ist das alle noch gültig auch bei Version 1.12 ?
  4. grundsätzlich ja. Wobei mittlerweile der asynchrone Aufruf Standard ist. Also _paq.push statt piwikTracker. piwikTracker funktioniert aber auch noch Ist hier dokumentiert
    http://piwik.org/docs/ecommerce-analytics/
  5. Tolle und aufschlussreiche Seite. Ich stehe allerdings vor dem Problem, dass ich bei der Warenkorbaktivität noch zusätzlich tracken muss, aus welchem Kontext heraus der Artikel dem Warenkorb hinzugefügt wurde. Weiß hier jemand eine Lösung?
    SG
    Thomas
  6. eine Variante wäre, wenn Du den optionalen Wert productCategory dafür nutzt. Diese Werte sind möglich

    addEcommerceItem(productSKU, productName, productCategory, price, quantity)

    Ansonsten wäre vielleicht die Segmentierung eine Lösung

    http://piwik.org/docs/segmentation/#creating-a-segment-in-piwik